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Hobbyraum

Wie darf ein Hobbyraum genutzt werden?

Darfst du im Hobbyraum schlafen oder ein Büro einrichten? Erfahre, was rechtlich erlaubt ist, wie du Ärger mit Nachbarn vermeidest und das Beste aus deinem Raum herausholst.

Verfasst von
Remo Stahl
Veröffentlicht am
9. Januar 2026

Ein Hobbyraum bietet wertvollen Platz für Kreativität, Sport oder Arbeit. Doch Vorsicht: Rechtlich gesehen ist er kein Wohnraum. Während Basteln, Fitness und stilles Arbeiten meist problemlos sind, ist dauerhaftes Schlafen oder das Einrichten einer gewerblichen Werkstatt oft untersagt. In diesem Artikel erfährst du, wo die Grenzen liegen und wie du das Beste aus deinen Zusatzquadratmetern rausholst.

 

Vielleicht kennst du das: Die Wohnung fühlt sich plötzlich eng an, das Schlagzeug steht im Weg oder die Yoga-Matte muss jedes Mal mühsam zwischen Sofa und Esstisch ausgerollt werden. Ein Hobbyraum scheint die perfekte Lösung zu sein. Er verspricht Freiheit, Ruhe und den nötigen Platz für Leidenschaften, die in den eigenen vier Wänden keinen Raum finden. Doch bevor du dein neues Reich beziehst, solltest du wissen, dass ein Hobbyraum kein Freifahrtschein für jede beliebige Nutzung ist. Es gibt klare Spielregeln, die darüber entscheiden, ob dein Rückzugsort ein Traum bleibt oder zum rechtlichen Albtraum wird.

 

 

Was definiert einen Hobbyraum eigentlich?

Im Immobilienbereich begegnen uns Hobbyräume meist in Untergeschossen oder Attikas. Der entscheidende Punkt ist die rechtliche Widmung. In den meisten Fällen ist ein Hobbyraum als Nicht-Wohnraum deklariert. Das hat berechtigte Gründe: Oft fehlen die für Wohnräume vorgeschriebenen Mindesthöhen, eine ausreichende Wärmedämmung oder die notwendigen Fensterflächen für Tageslicht und Belüftung.

 

Wenn du einen solchen Raum mietest oder kaufst, zahlst du in der Regel einen deutlich tieferen Quadratmeterpreis als für die eigentliche Wohnfläche. Dieser Preisvorteil kommt jedoch mit Verpflichtungen daher. Du darfst den Raum zwar nutzen, aber eben nicht darin wohnen.  Ein Hobbyraum ist dafür gedacht, dass du dich dort zeitweise aufhältst. Das bedeutet konkret: Basteln, Malen, Fitness oder das Sortieren deiner Briefmarkensammlung sind völlig legitim.

 

Selbst wenn der Raum gemütlich eingerichtet ist und über eine Heizung verfügt, darf er nicht als dauerhafter Schlafraum genutzt werden. Das hat nicht nur mit bürokratischen Vorschriften zu tun, sondern vor allem mit deiner Sicherheit. Wohnräume unterliegen strengen Brandschutzbestimmungen und müssen Fluchtwege (oft über Fenster einer gewissen Grösse) garantieren. Ein Kellerraum ohne vollwertiges Fenster erfüllt diese Anforderungen meist nicht. Wer dort regelmässig Gäste übernachten lässt oder gar selbst einzieht, riskiert bei einer Kontrolle oder im Schadensfall massiven Ärger mit den Behörden oder der Versicherung.

 

 

Homeoffice im Hobbyraum - eine Grauzone?

In Zeiten von Remote Work fragen sich viele: Darf ich mein Büro in den Hobbyraum verlegen? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Wenn du als Angestellte*r gelegentlich ein paar Stunden im Hobbyraum am Laptop sitzt, wird kaum jemand etwas dagegen einwenden. Es handelt sich um eine "stille Nutzung", die weder die Bausubstanz übermässig beansprucht noch die Nachbarn stört.

 

Anders sieht es aus, wenn du dort ein Gewerbe anmeldest oder täglich acht Stunden verbringst. Für einen dauerhaften Arbeitsplatz gelten ähnliche Anforderungen wie für Wohnräume - insbesondere was das Licht und die Belüftung betrifft. Zudem könnte eine intensive gewerbliche Nutzung (zum Beispiel mit Kundenverkehr) eine Zweckänderung erfordern, die von der Bewirtschaftung und oft auch von der Gemeinde bewilligt werden muss.

 

 

Lärm, Gerüche und die lieben Nachbarn

Ein Hobbyraum befindet sich selten im luftleeren Raum. Meist sind andere Personen in unmittelbarer Nähe. Das ist der Punkt, an dem viele Hobby-Projekte scheitern. Nur weil es ein Hobbyraum ist, bedeutet das nicht, dass du dort grenzenlos Lärm verursachen darfst.

 

Wer eine Schreinerwerkstatt einrichtet oder eine Rockband gründet, muss die geltenden Ruhezeiten und die Schalldämmung beachten. Ähnliches gilt für Gerüche: Wer leidenschaftlich gerne mit Lacken arbeitet oder Modelle baut, muss sicherstellen, dass die Dämpfe nicht durch das ganze Treppenhaus ziehen. Eine gute Belüftung ist hier das A und O - sowohl für den Nachbarfrieden als auch für die eigene Gesundheit, da Kellerräume oft schlechter belüftet sind und zu Feuchtigkeit neigen.

 

 

Checkliste vor der Anmietung: Darauf solltest du achten

Bevor du den Vertrag unterschreibst, solltest du den Raum kritisch prüfen. Passt deine Vision zur Realität des Raumes?

 

Zuerst solltest du die Feuchtigkeit checken. Riecht es muffig? Gibt es dunkle Flecken an den Wänden? In vielen Untergeschossen ist die Luftfeuchtigkeit für die Lagerung von empfindlichen Gegenständen wie Büchern oder Stoffen zu hoch. Ein Hygrometer kann hier Gewissheit schaffen.

 

Zweitens ist die Stromversorgung wichtig. Reichen die Steckdosen für deine Geräte? Wenn du schwere Maschinen oder mehrere Computer betreiben willst, sollte die Absicherung passen. Drittens solltest du die Internetverbindung prüfen. In Stahlbeton-Kellern versagt das WLAN oft kläglich. Ein LAN-Anschluss oder ein guter Repeater sind für viele Hobbys heute unverzichtbar.

 

 

Dein Raum, deine Verantwortung

Ein Hobbyraum ist eine grossartige Möglichkeit, die Lebensqualität zu steigern, ohne in eine teurere Wohnung umziehen zu müssen. Er bietet den nötigen Puffer zwischen Alltag und Leidenschaft. Wenn du die Spielregeln beachtest - also den Raum nicht zum Wohnen zweckentfremdest und Rücksicht auf dein Umfeld nimmst - steht deinem Projekt nichts im Weg.

 

Hobbyräume sind die Inkubatoren für Kreativität. Ob als privates Fitnessstudio, als Atelier oder als Rückzugsort zum Lesen: Nutze das Potenzial, aber bleib dabei im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten. So bleibt der Hobbyraum genau das, was er sein soll: Ein Ort, der dir Freude macht.