Pop-up-Stores: Chancen, Risiken & rechtliche Aspekte
Pop-up-Stores sind mehr als ein Trend – sie sind eine clevere Strategie für Marken, die flexibel Flächen nutzen wollen. Erfahre, welche Chancen temporäre Ladenflächen bieten, welche Risiken du kennen musst und was es rechtlich zu beachten gibt.
Pop-up-Stores erfreuen sich auch in der Schweiz wachsender Beliebtheit - sowohl bei etablierten Marken als auch bei Start-ups und Kreativunternehmen. Sie bieten eine flexible Möglichkeit, Produkte oder Dienstleistungen temporär zu präsentieren, neue Standorte zu testen und Kundennähe zu schaffen, ohne eine langfristige Mietbindung einzugehen. Doch das Konzept bringt auch Herausforderungen mit sich: Die Mietdauer ist kurz, der Aufwand für Auf- und Abbau ist hoch, und die rechtlichen Rahmenbedingungen - von der Kurzzeitmietvereinbarung bis zur Ladenbewilligung - wollen sorgfältig geklärt sein. In diesem Artikel erfährst du, welche Chancen Pop-up-Stores bieten, worauf du als Mieterin oder Vermieter achten musst, und wie du das Konzept erfolgreich umsetzt. |
Was ist ein Pop-up-Store?
Der Begriff «Pop-up-Store» kommt aus dem Englischen und beschreibt ein temporäres Ladenlokal, das für einen begrenzten Zeitraum betrieben wird - manchmal nur für ein Wochenende, manchmal für mehrere Monate. Die Idee dahinter ist simpel, aber wirkungsvoll: Statt sich langfristig an eine Fläche zu binden, nutzt du einen Standort gezielt für einen bestimmten Zweck, eine Saison oder eine Kampagne.
Pop-up-Stores entstehen in leer stehenden Ladenlokalen, auf Märkten, an Bahnhöfen, in Shopping Centern, in Galerieräumen oder sogar in umgenutzten Industriegebäuden. Gerade in Städten wie Zürich, Basel, Genf oder Bern hat sich ein aktives Ökosystem rund um temporäre Ladenflächen entwickelt - Vermieter sind zunehmend offen für Kurzzeitvermietungen, weil sie damit leerstehende Flächen sinnvoll aktivieren können.
Die Chancen: Warum Pop-up-Stores so attraktiv sind
Für Mieterinnen und Mieter liegt der grösste Vorteil auf der Hand: Flexibilität. Du kannst einen Standort testen, ohne dich jahrelang zu binden. Das ist besonders interessant für Unternehmen, die einen neuen Markt oder eine neue Stadt erschliessen wollen, ohne sofort ein festes Ladenlokal zu mieten.
Hinzu kommt der Marketingeffekt. Pop-up-Stores erzeugen Aufmerksamkeit - sie sind per Definition zeitlich begrenzt, was eine gewisse Dringlichkeit und Exklusivität schafft. Kunden kommen, weil sie wissen: Wer zu spät kommt, verpasst es. Dieser FOMO-Effekt («Fear of Missing Out») ist für viele Marken ein bewusstes Kommunikationsmittel.
Für Vermieterinnen und Vermieter bieten temporäre Mietverhältnisse die Möglichkeit, leerstehende Flächen zu aktivieren und zumindest kurzfristig Einnahmen zu generieren. Gleichzeitig können sie so potenzielle Langzeitmieter kennenlernen - viele erfolgreiche Pop-up-Konzepte münden in ein dauerhaftes Mietverhältnis.
Auch aus Sicht der Stadtentwicklung spielen Pop-up-Stores eine positive Rolle: Sie beleben Innenstädte, füllen ungenutzte Schaufenster und sorgen für ein vielfältigeres Angebot in Einkaufsstrassen. Gemeinden und Städte fördern solche Konzepte deshalb teilweise aktiv.
Die Risiken: Was du nicht unterschätzen solltest
So attraktiv das Konzept klingt - es gibt reale Risiken, die du kennen musst, bevor du einen Pop-up-Store eröffnest oder vermietest.
Hoher operativer Aufwand
Ein Pop-up-Store muss in kurzer Zeit auf- und wieder abgebaut werden. Das bedeutet: intensives Ladenbau-Management, schnelle Logistik und oft erhebliche Einrichtungskosten - für einen Zeitraum, der vielleicht nur wenige Wochen umfasst. Wenn die Betriebsdauer zu kurz ist, um die Investitionskosten zu amortisieren, kann das Vorhaben finanziell schnell zum Verlustgeschäft werden.
Standortabhängigkeit
Der Erfolg eines Pop-up-Stores hängt stark vom Standort ab. Hohe Passantenfrequenz ist entscheidend - aber genau an solchen Lagen sind Kurzzeitvermietungen oft teurer und schwerer zu finden. Wer an einem schlecht frequentierten Standort landet, riskiert, dass die erhoffte Aufmerksamkeit ausbleibt.
Unsicherheit auf beiden Seiten
Für Vermieterinnen und Vermieter birgt die Kurzzeitvermietung Planungsunsicherheit: Der Mietende kann schnell wieder weg sein, und die Fläche steht erneut leer. Zudem kann es zu Schäden an der Immobilie kommen, wenn Mieter rasch ein- und ausziehen. Klare vertragliche Regelungen sind deshalb unerlässlich.
Rechtliche Aspekte: Was du in der Schweiz wissen musst
Der rechtliche Rahmen ist ein zentrales Thema, das viele Interessierte unterschätzen. Gerade weil die Mietverhältnisse kurzfristig und informell wirken, entsteht oft der Eindruck, dass man es mit den Details nicht so genau nehmen muss. Das ist ein Irrtum.
Der Mietvertrag
Auch bei einem temporären Mietverhältnis gilt in der Schweiz das Obligationenrecht (OR). Gewerbliche Mietverträge sind im OR weniger strikt reguliert als Wohnmietverträge, bieten aber dennoch Schutz für beide Parteien. Ein schriftlicher Vertrag ist auch bei kurzen Laufzeiten zwingend empfehlenswert. Er sollte unter anderem die genaue Mietdauer, die Mietzinshöhe, die Nebenkosten, den Zustand des Objekts bei Übergabe sowie die Rückgabepflichten klar regeln.
Bei sehr kurzen Mietverhältnissen - etwa wenigen Tagen oder Wochen - wird oft statt eines klassischen Mietvertrags eine Nutzungsvereinbarung oder ein Lizenzvertrag verwendet. Diese Formen können flexibler gestaltet werden und unterliegen teils anderen gesetzlichen Bestimmungen. Es lohnt sich, diesbezüglich frühzeitig rechtlichen Rat einzuholen.
Bewilligungen und Betriebsvoraussetzungen
Je nach Gemeinde und Kanton kann es für den Betrieb eines Pop-up-Stores eine Gewerbebewilligung, eine Sondernutzungsbewilligung oder zumindest eine Meldepflicht geben. Wer beispielsweise auf einer öffentlichen Fläche oder in einer Fussgängerzone einen temporären Store betreiben möchte, braucht in der Regel eine Bewilligung der zuständigen Gemeinde.
Auch die Nutzungszone der Immobilie ist relevant: Ist das Ladenlokal für kommerzielle Nutzung ausgewiesen? Darf dort Publikumsverkehr stattfinden? Solche Fragen müssen vor Mietbeginn abgeklärt werden - idealerweise direkt mit der Vermieterin oder dem Vermieter sowie bei der zuständigen Baubehörde.
Versicherungen
Auch bei einem kurzfristigen Betrieb sind Versicherungen kein optionales Add-on. Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist empfehlenswert, um Schäden gegenüber Dritten abzudecken. Falls du Waren oder Inventar vor Ort lagerst, sollte auch eine Inhaltsversicherung in Betracht gezogen werden. Die Gebäudeversicherung liegt normalerweise beim Vermieter - aber auch hier gilt: Im Zweifelsfall schriftlich abklären, wer für was haftet.
Steuerliche Aspekte
Pop-up-Stores sind im Grundsatz wie jeder andere Verkaufspunkt steuerlich zu behandeln. Das bedeutet: Umsätze müssen korrekt verbucht werden, Mehrwertsteuer ist abzurechnen (sofern du MwSt-pflichtig bist), und die Einnahmen aus dem temporären Betrieb fliessen in deine Unternehmensrechnung ein. Wer seinen ersten Pop-up-Store als Testballon betreibt, sollte ausserdem prüfen, ob damit bereits eine gewerbliche Tätigkeit begründet wird, die entsprechende Anmeldepflichten auslöst.
Tipps für eine erfolgreiche Pop-up-Umsetzung
Damit dein Pop-up-Store nicht nur ein schönes Konzept bleibt, sondern auch in der Praxis funktioniert, gibt es einige bewährte Ansätze. Erstens: Definiere vor dem Start klare Ziele. Willst du verkaufen, sichtbar sein, Kundenfeedback sammeln oder einen Markt testen? Je klarer dein Ziel, desto besser kannst du Standort, Dauer und Budget darauf ausrichten.
Zweitens: Investiere in die Vorbereitung. Ein überstürzter Pop-up-Store ohne klares Konzept, ohne Bewilligungen und ohne ausreichendes Personal ist zum Scheitern verurteilt. Plane Vorlaufzeit ein - nicht nur für die Einrichtung, sondern auch für die Kommunikation. Social Media, lokale Medien und dein bestehendes Netzwerk sind deine wichtigsten Kanäle, um Aufmerksamkeit zu generieren.
Drittens: Wähle die richtige Fläche. Eine gut geeignete Pop-up-Fläche ist nicht einfach irgendein Ladenlokal - sie passt zu deiner Marke, hat ausreichend Laufkundschaft, ist gut erreichbar und bietet die technische Grundausstattung, die du brauchst (Strom, Internet, ggf. Kasse). Auf maison.work findest du gewerbliche Flächen in der Schweiz, die sich auch für temporäre Nutzungen eignen.
Fazit: Pop-up-Stores als strategisches Instrument
Pop-up-Stores sind kein Selbstläufer - aber sie sind ein mächtiges Instrument, wenn sie richtig eingesetzt werden. Sie ermöglichen Flexibilität, schaffen Sichtbarkeit und können als Sprungbrett für eine langfristige Präsenz dienen. Gleichzeitig erfordern sie sorgfältige Planung, klare Verträge und ein Verständnis für die rechtlichen Rahmenbedingungen in der Schweiz.
Ob du ein Unternehmen bist, das seinen ersten Pop-up-Store plant, oder ob du als Eigentümerschaft eine Fläche temporär vermieten möchtest - der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Vorbereitung und in einem guten gegenseitigen Verständnis. Und genau dabei kann maison.work helfen: als Plattform, die kommerzielle Flächen und die richtigen Nutzerinnen und Nutzer zusammenbringt.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Bei spezifischen rechtlichen Fragen empfehlen wir, eine Fachperson beizuziehen.