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Ratgeber

Geschäftsflächen für Start-ups: Worauf du achten solltest

Erfahre, worauf Start-ups bei der Wahl von Geschäftsflächen achten müssen. Von Skalierbarkeit über Kosten bis Networking – alle wichtigen Aspekte im Überblick.

Verfasst von
Dominic Frei
Veröffentlicht am
23. April 2026

Die Wahl der richtigen Geschäftsfläche gehört zu den wichtigsten Entscheidungen in der Gründungsphase eines Start-ups. Während etablierte Unternehmen oft auf bewährte Strukturen zurückgreifen können, müssen junge Unternehmen besonders auf Skalierbarkeit, Kosteneffizienz und strategische Standortvorteile achten. Dieser Artikel zeigt dir, welche Faktoren bei der Auswahl einer Geschäftsfläche entscheidend sind – von finanziellen Aspekten wie dem Mietzinsdepot über die Balance zwischen Repräsentation und Kosten bis hin zu Networking-Möglichkeiten, die dein Start-up voranbringen können.


Skalierbarkeit: Flexibilität für dein Wachstum

Start-ups durchlaufen häufig dynamische Wachstumsphasen. Was heute noch als Team von drei Personen im kleinen Büro funktioniert, kann in sechs Monaten bereits zu eng werden. Daher ist Skalierbarkeit ein zentraler Faktor bei der Wahl deiner Geschäftsfläche.


Idealerweise suchst du nach Lösungen, die mit deinem Unternehmen mitwachsen können. Coworking-Spaces bieten hier oft flexible Modelle, bei denen du monatlich zusätzliche Arbeitsplätze hinzubuchen kannst, ohne den gesamten Mietvertrag neu verhandeln zu müssen. Auch Bürogemeinschaften oder Geschäftszentren mit verschiedenen Raumgrössen ermöglichen einen schrittweisen Ausbau.


Wenn du eine klassische Geschäftsfläche mietest, solltest du auf folgende Punkte achten:


  • Gibt es im selben Gebäude oder in der Nachbarschaft zusätzliche Flächen, die du später anmieten könntest?
  • Lässt der Grundriss eine flexible Nutzung zu, etwa durch mobile Trennwände oder offene Bereiche?
  • Welche Kündigungsfristen gelten? Kurze Kündigungsfristen oder befristete Mietverträge geben dir mehr Handlungsspielraum.

Bedenke jedoch, dass zu kurze Mietverträge auch Nachteile haben können, etwa bei der Planung von Umbauten oder bei der Standortkontinuität gegenüber Kunden. Die ideale Lösung liegt oft in einer Balance zwischen Flexibilität und einer gewissen Planungssicherheit.



Mietzinsdepot und finanzielle Verpflichtungen verstehen

Bei der Anmietung von Geschäftsflächen wird in der Schweiz üblicherweise ein Mietzinsdepot verlangt. Dieses dient dem Vermieter als Sicherheit für allfällige Schäden oder ausstehende Mietzinszahlungen. Gemäss Art. 257e OR darf das Depot maximal drei Monatszinse betragen und muss auf einem separaten Konto bei einer Bank hinterlegt werden.


Für Start-ups mit knappem Budget kann ein Mietzinsdepot eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Bei einem monatlichen Mietzins von beispielsweise 3'000 Franken müsstest du 9'000 Franken als Depot hinterlegen. Dieses Geld ist während der gesamten Mietdauer gebunden und steht nicht für operative Geschäfte zur Verfügung.


Alternativ gibt es die Möglichkeit einer Mietzinskautionsversicherung oder Bankgarantie. Dabei zahlt das Start-up eine jährliche Prämie anstelle der vollen Depotsumme. Dies schont die Liquidität erheblich, verursacht aber laufende Kosten. Prüfe, ob dein Vermieter solche Alternativen akzeptiert.


Neben dem Depot solltest du auch die laufenden Kosten genau kalkulieren:


  • Mietzins (Kaltmiete)
  • Nebenkosten akonto (Heizung, Wasser, Hauswartung, Allgemeinstrom etc.)
  • Eventuell separate Kosten für Parkplätze oder Lagerräume
  • Ausbaukosten oder Anpassungen der Räumlichkeiten

Plane diese Ausgaben in deinem Business-Plan ein und achte darauf, dass du nicht nur die erste Miete, sondern auch das Depot und allfällige Einrichtungskosten stemmen kannst.



Repräsentation vs. Kosten: Die richtige Balance finden

Eine repräsentative Geschäftsadresse kann für Start-ups ein wichtiger Vertrauensfaktor sein, besonders wenn du regelmässig Kundentermine vor Ort hast oder in einer Branche tätig bist, in der das Image eine grosse Rolle spielt. Eine Adresse an einer prestigeträchtigen Lage in Zürich, Genf oder Basel vermittelt Professionalität und Seriosität.


Allerdings haben Top-Lagen ihren Preis. Gerade für Start-ups mit begrenztem Budget kann eine zentrale Lage schnell zur finanziellen Belastung werden. Hier gilt es, eine ehrliche Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen:


  • Wie wichtig ist die Adresse für dein Geschäftsmodell? Ein B2B-Softwareunternehmen benötigt möglicherweise weniger Repräsentation als eine Anwaltskanzlei oder Kommunikationsagentur.
  • Kannst du die Kosten durch eine kleinere Fläche kompensieren? Vielleicht reicht ein einzelnes Büro an guter Lage mit zusätzlichen Meeting-Räumen auf Abruf.
  • Gibt es Alternativen wie Business Center oder virtuelle Büros, die eine prestigeträchtige Adresse bieten, ohne dass du die volle Miete zahlst?

Für viele Start-ups ist ein Mittelweg sinnvoll: eine Geschäftsfläche in einem aufstrebenden Quartier mit guter Anbindung, aber moderateren Mietpreisen. Städte wie Bern, Winterthur oder Luzern bieten oft attraktive Alternativen zu den teuersten Metropolen.


Denke auch an die Entwicklung: Was heute noch als Geheimtipp gilt, kann in zwei Jahren bereits ein begehrter Standort sein. Investiere deine finanziellen Ressourcen dort, wo sie den grössten Impact für dein Geschäft haben – und das ist nicht immer die teuerste Adresse.



Networking-Möglichkeiten als Standortvorteil

Für Start-ups sind Kontakte Gold wert. Der richtige Standort kann dir nicht nur Räumlichkeiten, sondern auch ein wertvolles Netzwerk bieten. Coworking-Spaces, Gründerzentren oder Innovationshubs sind oft bewusst so konzipiert, dass sie den Austausch zwischen verschiedenen Start-ups und etablierten Unternehmen fördern.


Die Vorteile eines Standorts mit aktiver Community sind vielfältig:


  • Spontaner Austausch mit anderen Gründern, die ähnliche Herausforderungen meistern
  • Zugang zu Mentoren, Investoren oder Branchenexperten
  • Möglichkeiten für Kooperationen, Partnerschaften oder gemeinsame Projekte
  • Events, Workshops und Networking-Veranstaltungen direkt vor Ort

In der Schweiz gibt es zahlreiche Standorte, die sich auf Start-ups spezialisiert haben. Beispiele sind Impact Hub in verschiedenen Städten, Startfeld in St. Gallen oder die zahlreichen Coworking-Angebote in Zürich und Basel. Auch Technologieparks oder branchenspezifische Cluster (etwa im Medtech- oder Fintech-Bereich) bieten ideale Networking-Bedingungen.


Selbst wenn du dich für eine klassische Geschäftsfläche entscheidest, lohnt es sich, die Umgebung zu analysieren: Gibt es in der Nähe andere Start-ups oder Unternehmen, die zu deinem Ökosystem passen? Werden in der Nachbarschaft regelmässig Branchen-Events oder Meet-ups organisiert?


Networking ist kein Zufall, sondern auch eine Frage des richtigen Standorts. Nutze diese strategische Komponente bei deiner Entscheidung.



Lage und Erreichbarkeit für dein Team und deine Kunden

Die Lage deiner Geschäftsfläche hat direkten Einfluss auf die Zufriedenheit deines Teams und die Erreichbarkeit für Kunden. Eine zentrale Lage mit guter ÖV-Anbindung erleichtert es Mitarbeitenden, pünktlich zur Arbeit zu erscheinen, und reduziert den Stress langer Arbeitswege.


Berücksichtige bei der Standortwahl folgende Aspekte:


  • Wie gut ist die Anbindung an den öffentlichen Verkehr? Gibt es S-Bahn-, Tram- oder Bus-Haltestellen in unmittelbarer Nähe?
  • Sind Parkplätze verfügbar, falls Mitarbeitende oder Kunden mit dem Auto anreisen?
  • Gibt es in der Umgebung Restaurants, Cafés oder andere Infrastruktur für die Mittagspause?
  • Wie sicher ist die Gegend, besonders bei Arbeitszeiten ausserhalb der üblichen Bürozeiten?

Für kundenorientierte Start-ups ist die Erreichbarkeit besonders wichtig. Wenn du regelmässig Besucher empfängst, sollte dein Standort leicht zu finden und gut erreichbar sein. Eine komplizierte Anreise oder fehlende Parkplätze können potenzielle Kunden abschrecken.


Gleichzeitig solltest du aber auch die Bedürfnisse deines Teams im Blick behalten. Gerade in einer Phase, in der du auf Talente angewiesen bist, kann ein attraktiver, gut erreichbarer Standort ein wichtiges Argument im Recruiting sein.



Mietvertragsdauer: Flexibilität vs. Planungssicherheit

Die Dauer des Mietvertrags ist für Start-ups ein zweischneidiges Schwert. Einerseits bieten kurze Laufzeiten oder Kündigungsfristen maximale Flexibilität – wichtig, wenn dein Geschäftsmodell noch nicht vollständig etabliert ist oder du schnelles Wachstum erwartest. Andererseits geben längere Verträge Planungssicherheit und ermöglichen es, in den Ausbau der Räumlichkeiten zu investieren.


Bei Geschäftsmiete in der Schweiz gelten gemäss OR 266a spezielle Regelungen. Anders als bei Wohnraum gibt es bei Geschäftsräumen weniger zwingende Vorschriften, was bedeutet, dass vieles vertraglich frei vereinbart werden kann. Achte daher besonders auf die folgenden Punkte:


  • Kündigungsfristen: Üblich sind drei bis sechs Monate, bei grösseren Flächen auch länger
  • Kündigungstermine: Oft auf Quartalsende oder nach schweizerischem Brauch
  • Verlängerungsoptionen: Manche Verträge enthalten automatische Verlängerungsklauseln, wenn nicht fristgerecht gekündigt wird
  • Untermiete: Ist die Untervermietung erlaubt? Dies kann relevant werden, falls du die Fläche nicht mehr vollständig benötigst

Für Start-ups empfiehlt sich oft ein befristeter Vertrag mit Verlängerungsoption oder ein unbefristeter Vertrag mit moderaten Kündigungsfristen. So behältst du Handlungsspielraum, ohne dich zu lange zu binden.


Lasse jeden Mietvertrag vor der Unterzeichnung von einer Fachperson prüfen. Die Investition in eine rechtliche Beratung kann dich vor späteren bösen Überraschungen bewahren, etwa bei versteckten Klauseln zu Mietzinsanpassungen oder Renovationspflichten.



Fazit: Die passende Geschäftsfläche für dein Start-up

Die Wahl der richtigen Geschäftsfläche ist eine strategische Entscheidung, die dein Start-up nachhaltig prägt. Skalierbarkeit ermöglicht dir, mit deinem Unternehmen zu wachsen, ohne ständig umziehen zu müssen. Das Mietzinsdepot und weitere finanzielle Verpflichtungen sollten sorgfältig in deine Liquiditätsplanung einbezogen werden, um keine bösen Überraschungen zu erleben.


Die Balance zwischen Repräsentation und Kosten hängt stark von deinem Geschäftsmodell ab – nicht jedes Start-up benötigt die prestigeträchtigste Adresse, aber eine professionelle Präsentation schadet selten. Networking-Möglichkeiten am gewählten Standort können einen enormen Mehrwert bieten und dir Türen öffnen, die sonst verschlossen blieben.


Vergiss nicht, auch praktische Aspekte wie Erreichbarkeit und Infrastruktur zu berücksichtigen – diese beeinflussen die Zufriedenheit deines Teams und die Wahrnehmung durch Kunden. Die Mietvertragsdauer schliesslich sollte dir genug Flexibilität für Veränderungen geben, ohne dich unnötig einzuschränken.


Nimm dir Zeit für diese Entscheidung und wäge alle Faktoren sorgfältig ab. Die richtige Geschäftsfläche ist mehr als nur ein Ort zum Arbeiten – sie ist die Basis für das Wachstum und den Erfolg deines Start-ups.


Hinweis: Dieser Artikel dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Rechtsberatung dar. Für konkrete Fragen zu Mietverträgen oder rechtlichen Verpflichtungen empfehlen wir, eine Fachperson zu konsultieren.